Boris Ben Siegel
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1964: In Annaberg-Buchholz, im verschneiten Erzgebirge kommt Boris, der sich irgendwann den Namen Ben gibt, zur Welt.
5 Jahre später ist er schon Intendant eines kleinen selbsterbauten Kindertheaters im familiären Hotelbetrieb. Weil er die Kinder der Feriengäste als Schauspieler für die Hauptrollen engagiert, wird jeden Abend vor vollem Haus gespielt. Mit 12 hat er seine erste Intendanz hinter sich und ist nun offizielles Mitglied der Rezitatoren des Kulturhauses Erzhammer in Annaberg-Buchholz. Zahlreiche Auftritte, besonders natürlich um den Jahresfeiertag der Republik und den 1.Mai herum führen ihn in seiner Jugend durch halb Sachsen. Diese Karriere gipfelt schließlich vor Zehntausenden von Menschen auf dem Alexanderplatz in Ostberlin, wo er sich zu den Weltfestspielen „Lob der Kommunisten“ durch Megaphone vortragen hört und was vielleicht dazu beigetragen haben mag, dass er nach dem Abitur statt Schauspielstudium erst mal hinter die Bar geht, schließlich stand dort auch seine Wiege. Er wird ausgebildeter Hotelkaufmann.
1989: Die Gastronomie-Karriere macht ihm keinen Spaß mehr, die DDR erst recht nicht. Und als beides einstürzt, stimmt das Boris Ben nicht gerade traurig. Im Koma der Wende findet er sich dann als Mitbegründer einer Personalvermittlungsfirma in Mannheim wieder. Was für ihn anfangs furchtbar kapitalistisch und befremdlich anmutet, führt ihn bald zum Theater zurück, welch Irrweg des Schicksals. Er vermittelt an städtische Bühnen und bald ist er im Besitz vieler Freikarten und hängt nur noch im Theater ab. Das angeborene Fieber ist wieder erwacht.
Inzwischen wird schon mal die Kultur- und Themenkneipe im Ludwigshafener Hemshof gegründet: Gemeinsam mit drei Freunden, natürlich aus dem Osten, serviert er über ein Jahr lang Kulinarisches aus Ostberlin; dazu die passende Musik, vom Band und live. Und erste Theaterszenen werden gespielt, wenn auch vorerst nur im Faschingsgetriebe. Mitte der 90-er kommt was kommen musste: Der Ausstieg aus der Personalvermittlungsfirma, ein einjähriger Wo-bin-ich-und-was-will-ich-Aufenthalt in Frankreich, ein Studium der Theaterwissenschaften an der Ludwig Maximilian Universität in München und dessen baldiger Abbruch, weil das alles zu trocken ist; schließlich eine Anstellung als Regieassistent am Landestheater Schwaben in Memmingen. Endlich ist der berufliche Weg zur darstellenden Kunst eingeschlagen.
Seit 2001 arbeitet Boris Ben Siegel als freischaffender Schauspieler, Autor und Regisseur und gründet sein zweites Theater, das “ theater oliv “ in Mannheim. Innerhalb weniger Spielzeiten kommt dieses in der freien professionellen Theaterszene der Metropolregion Rhein-Neckar und bei Theaterkritikern zugleich, aber vor allem auch bei einem immer größer werdenden Publikum zu einem beachtenswerten Namen und kann inzwischen auf eine treue Fangemeinde bauen. Weit über zwanzig Eigenproduktionen, davon viele aus hauseigener Feder verliessen inzwischen diese Kulturschmiede.
2006 erfüllte Boris Ben Siegel sich einen weiteren bislang heimlichen Berufswunsch, den des Singens. In der Formation „pawel & sieben“ entstanden zwei musikalische Kabarett-Programme mit eigenen Texten und eigenen Songs, die positiv von der Presse bewertet wurden und ihn nun auch auf Bühnen ausserhalb Mannheims auftreten lassen.


